Kurz-Biografien

 

Abrahamsohn, Daisy & Günther

 

Daisy 1921- 2013     Günther 1926-2016

 

Heilbronner Str. 21

 

Private jüdische Kaliski-Waldschule, Dahlem

 

Der Vater Dr. Wilhelm Abrahamsohn, Rechtsanwalt und Notar mit eigener Kanzlei,

nimmt sich 1932 das Leben. Katharina Abrahamsohn bereitet nach dem Suizid ihres Mannes die Ausreise der Kinder Daisy und Günther vor. Daisy emigriert nach der Teilnahme an Hachschara-Lagern im November 1938 nach Palästina. Günther verlässt Berlin 1939 mit einem Kindertransport nach Großbritannien. Katharina Abrahamsohn wird 1942 in das KZ Riga deportiert. Erst 1952 gibt es ein erstes Wiedersehen der Geschwister nach 14 Jahren. 

 

Alexander, Meta

(1924-1999)

 

Haberlandstr. 12 und 10*, Bayerischer Platz 4

 

St. Franziskus Oberlyzeum (heute: Katholische Schule St. Franziskus)

FU Berlin (Gründungsgeneration)

 

Ärztin

 

Katholisch getauft und erzogen. Lebte mit ihren Eltern zeitweise im gleichen Haus* wie Hans Globke (1938 Mitverfasser Nürnberger Rassengesetze, 1953-1963 Staatssekretär unter Adenauer). Ihr jüdischer Vater und sie überlebten versteckt mit Hilfe der christlichen Großeltern. Nach der Ausbildung zur Ärztin Chefärztin und Professorin am Klinikum Westend, bildete sie viele Ärztinnen und Ärzte aus.

Angress, Werner T.

(1920 - 2010)

 

Rosenheimer Str. 31

 

Historiker, Wissenschaftler

 

 

Emigration 1937 nach Großbritannien, von dort 1938 in die Niederlande und 1939 in die USA.1941-1945 in der US-Army („Ritchie Boys“). Danach Studium und Lehrtätigkeit als Professor für europäische und deutsche Geschichte in den USA, zeitweilig mit Ruth Klüger verheiratet. 1988 Rückkehr nach Berlin (West).

 

 

Ansbach, Familie

 

Peter-Strasser-Weg 22, Tempelhof

 

 

Vereinigtes Askanisches und Tempelhofer Gymnasium (heute: Hugo-Gaudig-Oberschule), Städtische Luise-Henriette-Schule (heute: Luise-Henriette-Oberschule)

 

 

Ruth und Herbert Ansbach sind im kommunistischen Widerstand aktiv. Sie werden verhaftet. Ruth Ansbach kommt von 1934-36 ins Frauengefängnis Barnimstrasse, Herbert Ansbach 1936 ins Zuchthaus Brandenburg. Emigration 1938 in die Tschechoslowakei und 1939 nach  Großbritannien. Deportation der Eltern Oskar und Else Ansbach 1942 nach Riga.

 

 

Stolpersteine (2004) für Oskar und Else Ansbach, Peter-Strasser-Weg 4 (Tempelhof)

 

 

Aron, Adi

(geb. 1927)

 

Motzstr. 56 (heute: Nr. 61)

 

Luise-Zickel-Schule (jüdische Privatschule)

 

Malerin

 

Schülerin der „Zickelschule“. Der Vater verlor als Zahnarzt 1933 die Kassenzulassung.

Die Familie erreichte das Emigrationsziel Shanghai nicht. Sie überlebten die Verfolgung untergetaucht in Italien.

1945 Emigration nach Palästina.

 

 

Asch, Familie & Eppenstein, Karl

 

Kaiserkorso 153

 

 

Vater Jacob Asch (1870-1942) und Mutter Gertrud (1875-1942) haben ein Textilunternehmen in Kreuzberg mit ca. 50 Angestellten. 1938 Enteignung, 1942 Deportation und Ermordung. Tochter Wally (1906-1979) heiratet 1926 Karl Eppenstein (geb. 1902), 1931 Gründer einer Privatsynagoge in der Mussehlstr. 22, die 1938 zerstört wird. 1939 gemeinsame Auswanderung nach Palästina, Mitbegründer des dortigen Vereins ehemaliger Berliner in Israel.

 

Gedenktafel (1989) für die zerstörte Privatsynagoge, Mussehlstr. 22

 

 

Bach, Hilde Rahel

in Vorbereitung

 

Baeck, Leo

(1873-1956)

 

Am Park 15 (heute Fritz-Elsas-Str. 15)

 

Rabbiner, Religionsphilosoph, Theologe

 

Seit 1912 Rabbiner der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, im Ersten Weltkrieg Feldrabbiner (“Feldgebetbuch“). Ab 1933 ermöglichte er als Präsident der Reichsvertretung der Deutschen Juden (ab 1938 Reichsvereinigung der Juden in Deutschland) vielen Juden die Auswanderung. Er wurde 1943 nach Theresienstadt deportiert und überlebte. Emigration nach London, Großbritannien. Nach 1948 besuchte er Deutschland mehrfach.


Gründung der Leo Beck Institute in London, New York und Jerusalem

 

Stolperstein 2012:

Dr. Leo Baeck, Fritz-Elsas-Str. 15, Berlin-Schöneberg

 

 

 

Baer, Karl M. (vormals: Martha Baer)

 

(1885 - 1956)

 

Kleiststr. 111

 

Frauenrechtlerin, Direktor der Berliner Logen, Zionist

 

Als Mädchen erzogen, erhielt er in Hamburg eine Ausbildung zur Volkspflegerin.

Als Delegierte der Logen kämpfte er in Osteuropa gegen den Mädchenhandel.

Nach dem Wechsel seiner Geschlechtsidentität 1906 musste er sich beruflich neu behaupten.

Er veröffentlichte 1907 unter dem Pseudonym „N.0. Body“ seine Erfahrungen der geschlechterrollenbedingten Benachteiligung in „Aus eines Mannes Mädchenjahren“ (Neuauflage 1993).

Direktor der Berliner Logen 1920 - 1938.

Einwanderung nach Palästina 1938 mit seiner zweiten Frau Elza.

Ball, Fritz & Ball-Kaduri, Kurt Jacob

 

(1893 - 1968)     (1891 - 1976)

 

Viktoria-Luise-Platz 1 (Anwaltskanzlei)

 

Rechtsanwälte

 

 

1933 Verhaftung der beiden Brüder in ihrer Kanzlei (detaillierte Beschreibung  des Verhörs im “wilden KZ“ Papestraße), für beide 1933 Entzug der Rechtsanwaltszulassung, Hinwendung zum Zionismus (Kurt). 1938 Deportation ins KZ Sachsenhausen, Freilassung und Emigration in die USA (Fritz) bzw. nach Palästina (Kurt),

Mitinitiator der Gedenkstätte Yad Vashem.

 

Basch, Hildegard

(1915 - 2007)

 

Lutherstr. 51

 

Übersetzerin

 

Ging 1939 allein ins Exil nach Großbritannien.

Erzählt erst 1994 ihrer Tochter, der Künstlerin Barbara Loftus, von der Ausplünderung, Verschleppung und Ermordung ihrer Familie durch die Nazis. Inspiriert diese zu sehr ausdrucksstarken Gemälden und Zeichnungen, die 2013/14 auch in Berlin gezeigt werden

Benjamin, Walter

(1892 - 1940)

 

Kurfürstenstr. 154, Prinzregentenstr. 66 (Wilmersdorf)

 

Philosoph, Autor, Literaturkritiker, Übersetzer

 

Studium u. a. in Bern, um Einberufung zum Militär zu entgehen. Freundschaft und Schriftwechsel u. a. mit T. W. Adorno, G. Scholem, H. Arendt, später mit der Fotografin G. Freund (siehe dort), vor allem auch während der Zeit im Exil in Frankreich von 1933-1940. Nach Inhaftierung und Flucht Suizid an der Grenze zu Spanien (Portbou, dort  künstlerisch gestalteter, begehbarer Gedenkort „Passagen“ von Dani Karavan).

 

Wichtige Schriften: „Passagenwerk“ (1928-29), „Berliner Kindheit“ (1932-38), „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ (1934-39). Die meisten Schriften, Essays und Briefwechsel werden erst posthum herausgegeben (ab 1955 von T. W. Adorno).

 

Gedenktafel: Prinzregentenstr. 66 (Wilmersdorf)

Platzbenennung am Kurfürstendamm

Berent, Margarete

(1887 - 1965)  

 

Goltzstr. 34 (Anwaltskanzlei)

 

Rechtsanwältin

 

1925 als erste Rechtsanwältin in Preußen zugelassen. 1914 Promotion; ihre Dissertation diente 1958 als Grundlage für die Umgestaltung des ehelichen Güter- und Erbrechts.

Bis 1933 Rechtsberatungssendungen beim Radiosender Königs Wusterhausen.

1939 Exil über Chile nach New York, USA. Erneutes Studium, danach als Juristin tätig.

 

Gedenktafel (2002) vom Deutschen Juristinnenbund und Bet Debora, Goltzstr. 34

 

 

Bergh, Ilja

1927 - 2015

 

Bregenzer Str. 9

 

Musiker, Pianist, Komponist

 

Der Vater war Musiker, die Mutter Tänzerin (bei Mary Wigman), die Wohnung Treffpunkt vieler Künstler (insbesondere nach dem Auftrittsverbot 1933). Als Kind Emigration (1934)  über die Sowjetunion nach Dänemark, später Pianist und Komponist (Neue Musik).

 

Lebte in Kopenhagen, München und Berlin.

 

Verstorben am 5.9.2015 in Kopenhagen

 

Berkowitz, Liane

(1923 –1943)

 

Viktoria-Luise-Platz 1

 

„Private Vorbereitungsanstalt

Dr. Heil“

 

Wird in der Schule Teil eines Freundeskreises, der sich gegen die nationalsozialistische Herrschaft engagiert, 1942 Verteilung von Flugblättern in der Uhlandstraße und am Kurfürstendamm. August/September 1942 Verhaftung als Mitglied der von der Gestapo als „Rote Kapelle“ bezeichneten Widerstandsgruppe (rund 200 Personen). Bringt 1943 im Frauengefängnis Barnimstraße ihre Tochter Irene zur Welt. Briefwechsel mit der Mutter, die später das Kind an sich nimmt. 5.8.1943 Hinrichtung in der Strafanstalt Plötzensee.

 

Berliner, Cora

(1890 - 1942)

 

Kufsteiner Str. 6

 

Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlerin

 

1916 Anstellung bei der Stadtverwaltung Schöneberg (Lebensmittelversorgung im Ersten Weltkrieg). Regierungsrätin und 1930 Professorin für Wirtschaftswissenschaften, nach 1933 Reichsvertretung der Deutschen Juden (s. a. Leo Baeck).

Deportation nach Minsk, Maly Trostinec 1942.

 

Berliner, Gert

(geb.1924)

 

Winterfeldstr. 25

 

Maler und Fotograf

 

Kam 1939 mit einem Kindertransport nach Schweden und lebt heute in den USA.

Deportation der Eltern Paul und Lotte Berliner 1943 nach Auschwitz.

 

Nach dem Krieg häufige Besuche in Berlin.

Bernstein, Paul

(1897 - 1944)

 

Bamberger Str. 18, Heilbronner Str. 22 (sog. „Judenwohnung“)

 

Publizist und Volkshochschullehrer

 

Studium an der Hochschule für Politik, Soldat im Ersten Weltkrieg. In der Erwachsenenbildung tätig, von 1930-1933 Lehrer an der Heimvolkshochschule Habertshof bei Frankfurt. Zahlreiche Artikel zur Arbeiterbewegung. Verheiratet mit der Schriftstellerin Johanna Moosdorf. Deportation nach Theresienstadt im Januar 1944, im September 1944 nach Auschwitz, wo sich seine Spur verliert.

 

Stolperstein (2012): Charlottenstr. 89, Kreuzberg

 

Bernauer, Rolf & Bernell, Agnes (geb. Bernauer)

(1880 - 1953)            (1923 - 1999)

 

Viktoria-Luise Platz 1, Innsbrucker Str. 56

 

Luise-Zickel-Schule (jüdische Privatschule)

 

Vater ist Theaterregisseur, Autor, Kabaretttexter, u. a. am Theater am Nollendorfplatz. Zusammenarbeit u. a. mit Max Reinhardt, Marlene Dietrich. 1933 staatenlos, emigrieren sie mit ungarischen Pässen im Herbst 1936 nach Großbritannien. Tochter Agnes wird später Theaterschauspielerin und Sängerin.1945 Hochzeit mit dem Churchill-Neffen Desmond Leslie.

Bloch, Gerda & Bloch, Doris

(geb. 1925)     (1928 - 2003)

 

Martin-Luther-Str. 55 (heute Nr. 117)

 

Schülerinnen der Luise-Zickel-Schule (jüdische Privatschule)

 

Ins Exil 1939 in die Niederlande. Mussten 1942 untertauchen, getrennt von den Eltern, die 1944 nach  Auschwitz deportiert wurden. Emigration der Schwestern nach dem Krieg in die  USA. Gerda Bloch wird Psychotherapeutin, Doris Bloch Sozialmedizinerin bei der Flüchtlingshilfe der WHO.

Blumenthal-Weiss, Ilse

(1899 - 1987)

 

Bamberger Str. 40

 

Lyrikerin

 

Briefwechsel u. a. mit Rainer Maria Rilke. 1937 Emigration in die Niederlande, von dort aus Internierung in Westerbork 1943 und Deportation 1944 nach Theresienstadt. Überlebt mit der Tochter (s. Mirjam Merzbacher) und wandert mit ihr 1947 in die USA aus. In ihrem Gedichtsband „Ohnesarg“ von 1984 verarbeitet sie ihre Erfahrungen im Zusammenhang mit dem Holocaust.

Bock, Werner

(geb. 1921)

 

Rosenheimer Str. 21

 

Werner-Siemens-Realgymnasium (heute: Georg-von-Giesche Oberschule)

Luise-Zickel-Schule (jüdische Privatschule)

 

Ingenieur

 

Die Eltern Leonhard und Else (geb. Neustadt) führten das Schuhhaus Neustadt (des Schwiegervaters) in der Münchener/Ecke Grunewaldstraße. Werner Bock konnte durch Kindertransport Deutschland 1939 verlassen und kam nach Manchester/Großbritannien. Nach einjähriger Internierung als „enemy alien“ lebte er dort bis zu seiner Auswanderung 1951 zusammen mit Frau und Sohn nach Kanada. Deportation der Eltern Else und Leonhard Bock 1943 nach Auschwitz.

Werner Bock lebt heute in Kanada.

Bohne, Werner

(1920 - 1998)

 

Stübbenstr. 4, Stubenrauchstr. 3

 

14. Gemeindeschule (heute: Löcknitz-Grundschule)

Treitschke-Gymnasium

 

Ausbildung zum Kaufmann

 

Erhielt durch bekannte Familie Affidavit für USA. Euphorischer Reisebericht Ende 1938, gleichzeitig die immer verzweifelter werdenden Briefe der ausreisewilligen Eltern. Vermögenserklärung der Eltern kurz vor ihrer Deportation nach Riga.

 

Werner Bohne wird später ein engagierter Zeitzeuge.

Braun, Familie

in Vorbereitung

 

Cederbaum, Moshe

(1910 - 1995)

 

Gossowstr. 11 

 

Lessing-Hochschule, Arbeiterbildungsschule

 

Engagierter Sozialdemokrat, auch in der Liga für Menschenrechte, 1933 ins Exil nach Frankreich, 1933/34 Mitarbeiter bei Radio Luxemburg (Anti-Hitler-Sendungen). 1934 Zertifikat für Palästina. Sanitäter in der Hagana (jüdische Untergrundarmee).

Cohn, Marianne

(1922 - 1944)

 

Wulfila Ufer 52

 

Kinderfürsorgerin

 

Leistet Hilfe zur Flucht für jüdische Kinder. Zionistin. Familiäre Bande zu Walter Benjamin. 1934 Emigration nach Spanien, 1936 nach Frankreich, 1937-1938 Übersiedlung in die Schweiz. 1938 Rückkehr nach Frankreich, Widerstandskämpferin (französische Résistance). 1940-1942 mehrmals Inhaftierung des Vaters, 1942 geht die Familie unter falschem Namen in den Untergrund. 1944 Verhaftung von Marianne Cohn durch die Gestapo, am 8. Juli 1944 Hinrichtung in Ville-la-Grande.

Nach 1945 vielfach in Frankreich, Israel und Deutschland geehrt (Auswahl):

- 7.11.1945: Militärregierung Lyon verleiht ihr posthum das Kriegskreuz mit silbernem Stern

- 1956 Ville-la-Grande: Straßenbenennung nach Marianne Cohn und Einweihung eines Denkmals für sie und andere am selben Tag hingerichtete Widerstandskämpfer

-1982 eröffnet  François Mitterrand zu Ehren von Marianne Cohn einen Garten in der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem

 

- 1984 Eröffnung der Marianne-Cohn-Schule in Berlin-Tempelhof

- Stolperstein (2007): Wulfila Ufer 52, Tempelhof

 

Cohn-Lempert, Familie

Motzstr. 90

 

Staatliche Augusta-Schule (heute: Sophie-Scholl-Oberschule)

 

Dr. Georg Cohn-Lempert (1882-1968) ist Rechtsanwalt und Notar und Frontkämpfer im Ersten Weltkrieg. 1933 Entzug der Zulassung als Notar, 1938 Entzug der Zulassung als RA. Die Töchter Inge und Jutta Cohn-Lempert sind Schülerinnen der Augusta-Schule. Die Ehefrau und Mutter ist Christin.1940 tritt der Vater Georg Cohn-Lempert aus der jüdischen Gemeinde aus und er und die ältere Tochter Inge (geb. 1918) lassen sich illegal taufen. Der Vater ist  zeitweise zur Zwangsarbeit „dienstverpflichtet“, dann taucht die Familie im Riesengebirge unter, wo alle überlebt haben. Die Tochter lebt heute wieder in Berlin.

Comedian Harmonists: Collin, Cycowski, Frommermann

Stubenrauchstr. 47

 

Musiker, Vokalensemble (a capella)

 

1928 gründete Hans Frommermann (später Harry Frohman) das Gesangssextett

in seine Wohnung in Friedenau.

Auftrittsverbote der Musiker ab 1933, Trennung der Gruppe 1935.

Die jüdischen Mitglieder Harry Frohman, Erich Abraham Collin und Roman Cycowski gründeten 1935 in Wien eine neue Gruppe, die weltweit erfolgreich war.

1941 Auflösung der Gruppe

 

Gedenktafel Haus Stubenrauchstr. 47, Berlin-Friedenau

Davidson, Familie

in Vorbereitung

 

Deutschkron, Inge

(geb. 1922 )

 

Innsbrucker Str. 58, Bamberger Str. 22 (sog. „Judenwohnung“, letzte Wohnung vor dem Untertauchen)

 

Autorin, Publizistin

 

Nach erzwungenem Schulabbruch und Zwangsarbeit, ab 1942 Anstellung in der Blindenwerkstatt Otto Weidt. Mit Mutter ab 1943 untergetaucht. Nach dem Krieg in London, ab 1955 Journalistin u. a. in Bonn, Korrespondentin für Maariv/Israel.  Ab 1972 in Tel Aviv. Ihr Buch „Ich trug den gelben Stern“ (1978) wurde als Jugendtheaterstück „Ab heute heißt Du Sara“ 1989 am Grips-Theater in Berlin und später in vielen Städten und Sprachen gespielt. Seit 2001 endgültige Rückkehr nach Berlin. Als engagierte Zeitzeugin Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und in der politischen Öffentlichkeit (Gedenkrede aus Anlass des internationalen Holocaustgedenktages 2013 im Deutschen Bundestag). Initiatorin des Museums „Blindenwerkstatt Otto Weidt“ und des Gedenkorts „Stille Helden“ in Berlin-Mitte.

Einstein, Albert

(1879 - 1955)

 

Haberlandstr. 5 (heute: Nr. 8, zwischenzeitlich: Nördlinger Str. 8)

 

Physiker, Wissenschaftler

 

Verbrachte Kindheit und Jugend in Ulm, München, Mailand und Zürich, zahlreiche Wechsel und Abbrüche der Schulausbildung. Berühmt geworden mit seiner Relativitätstheorie (1905). Seit 1913 Mitglied der „Preußischen Akademie der Wissenschaften“, Berlin. Erhielt 1922 den Nobelpreis für Physik. Bei Machtantritt Hitlers auf Auslandsreise, emigrierte er 1933 als Jude und bekennender Pazifist sofort in die USA, kehrte nie wieder nach Deutschland zurück.

 

Gedenkstein und Gedenkstele (2013), Haberlandstr. 8

Dobriner, Familie

in Vorbereitung

 

Eisfelder, Horst

(geb. 1925)

 

Kufsteiner Str. 3,  Freisinger Str. 4

 

Lehre als Fotograf, später Versicherungswesen

 

Emigration mit den Eltern nach Shanghai. Wie seine Eltern berufliche Integration in Shanghai und Offenheit für die neue Umgebung und den Erwerb der schweren Landessprache. Eisfelder dokumentiert diese Lebenswelt mit eindrucksvollen und historisch interessanten Fotos. Beginn lebenslanger Freundschaften mit anderen Exilanten (z. B. mit Schulfreund H. M. Blumenthal, später amerikanischer Finanzminister, bis 2014 Direktor des Jüdischen Museums in Berlin). 1947 Auswanderung der Familie nach Australien, wo er heute lebt.

 

Autobiographie mit Fotos: „Exil in China. Meine Jahre in Shanghai und Nanking“ (2009).

Epstein, Moritz

in Vorbereitung

 

Falk, Werner & Falk, Renate

in Vorbereitung

 

Feder, Rolf

(1921 - 2000)

 

Hewaldstr. 8

 

Werner-Siemens-Realgymnasium (heute: Georg-von-Giesche-Schule)
Luise-Zickel-Schule (jüdische Privatschule)

 

Der Vater ist Großhandelsgeschäftsinhaber und Teilnehmer am Ersten Weltkrieg.1933 geht die Familie nach Palästina ins Exil. Nach anfänglichen Schwierigkeiten der Eingewöhnung, Aufbau eines Reiseunternehmens. 1974 kommt Rolf Feder als Vertreter des israelischen Reiseverbandes erstmals wieder nach Deutschland.

Fink, Alice (geb. Redlich)

(geb.1920)

 

Starnberger Str. 3

 

Chamisso-Lyzeum, Haushaltsschule der Jüdischen Gemeinde ab 1935, Ausbildung zur Krankenschwester

 

Der Vater ist Soldat im Ersten Weltkrieg, später verantwortlich für Beerdigungen auf jüdischen Friedhöfen in Berlin. Alice Fink emigriert 1938 nach Großbritannien, später in die USA. Mehrere Familienmitglieder sterben in Auschwitz, Theresienstadt und  Riga. Sie arbeitet nach dem Krieg 1946 im ehemaligen KZ  Bergen Belsen, das vorübergehend zu einem  DP Camp (Displaced Persons Camp) für jüdische Überlebende, die auf die Auswanderung warten, umgewandelt wurde. Dort lernt sie ihren späteren Mann kennen.

 

Stolpersteine (2007) für Ella, Georg und Heinz Redlich, Starnberger Str. 3

Fischel, Susan & Neumann, Camilla

in Vorbereitung

 

Flatow, Alfred & Flatow Gustav, Felix

(1869 - 1942)        (1875 - 1945)

 

Landshuter Str. 33, Schlüterstr. 49

 

Sportler

 

Beide Cousins sind Turner, 1896 bei den ersten Olympischen Sommerspielen der Neuzeit Olympiasieger in der Mannschaft an Reck und Barren. 1933 Zwangsaustritt von Alfred F. aus der Berliner Turnerschaft, 1942 Deportation nach Theresienstadt, wo er bald darauf an Unterernährung stirbt. 1933 Emigration von Gustav F. in die Niederlande, 1936 Gast der Olympischen Spiele in Berlin. 1940-1944 Flucht innerhalb der Niederlande, 1944 Deportation  nach Theresienstadt, wo er am 29.1.1945 an Hunger stirbt. Seine Urne wurde 1986 von Journalisten entdeckt und im heutigen Terezin beigesetzt.

 

Diverse Eherungen seit den 1980er Jahren:

-Diverse Ehrungen im Bereich des Sports: u. a. Flatow-Medaille (1986/87) BRD, Flatow-Pokal (1987) DDR

-Flatow-Sporthalle mit Gedenktafel (1990), Lohmühleninsel Kreuzberg

-Flatow-Oberschule (1992) mit Gedenktafel (1996) in Berlin-Köpenick

-Straßenumbenennung (1997) der Reichssportfeldstraße am Olympiastadion in Flatowallee, Berlin-Westend

-Sonderbriefmarke (1998) aus Anlass von „100 Jahre Olympische Spiele der Neuzeit“

-Stolpersteine (2012): Schlüterstr. 49  für Gustav Felix Flatow, Margarete (Ehefrau), Amalia (Tochter) Stefan (Sohn) und Landshuter Straße 33 für Alfred Flatow und die Schwestern Else und Margarete

 

Fraenkel, Ernst

in Vorbereitung

 

Freudenfels, Familie

Hilbertstr.1

Handel

Henriette Freudenfels, geb. Silbermann (1883-Jan.1938), Richard Freudenfels (1879-1941), Textilwarenhandel in Marienfelde u. Lichtenrade. Soldat im Ersten  Weltkrieg, bekam “Eisernes Kreuz” verliehen, Mitglied der Herder-Loge.

Tochter Charlotte (geb. 1910), Emigration 1933 nach Palästina, 1954 in die USA. Sohn Herbert (1913-1976), Emigration 1934 nach Palästina, 1954 in die USA.

Heirat Richard Freudenfels mit Dorothea Silbermann (1882-1941), Schwester v. Henriette, im Okt.1938; vergebliche Bemühungen, die Einreisebedingungen versch. Exilländer zu erfüllen. 27.11.1941 Deportation nach Riga, wo sie am 30.11.41 ermordet wurden.

 

Stolperstein: Hilbertstr.1-2, Berlin-Lichtenrade

Freund, Gisèle

(1908 – 2000)

 

Haberlandstr. 7 (heute Nr. 3, von 1938-1996 Nördlinger Str. 3)

 

Fotografin

 

 

Machte im September 1925 an der Rückert-Schule die Mittlere Reife.

Ab 1931 Studium der Soziologie in Frankfurt a. M. In den politischen Auseinandersetzungen gegen den aufkommenden Nationalsozialismus engagiert, ihre Kamera immer dabei. 1933 Flucht nach Paris, porträtiert hier u. a. Simone de Beauvoir, Adrienne Monnier, James Joyce und Exilschriftsteller wie Heinrich Mann oder Walter Benjamin. 1940 Flucht nach Südfrankreich und Leben im Untergrund. Geht 1941 ins Exil nach Buenos Aires. 1952 Rückkehr nach Frankreich. Besucht Berlin nur noch als Fotografin, zu eigenen Ausstellungen und 1996 zur Rückbenennung der Straße ihrer Kindheit in Haberlandstraße.

 

Frolich, Marion (geb. Falk)

(geb. 1928)

 

Aschaffenburger Straße

 

4. Volksschule der Jüdische Gemeinde in der Synagoge Prinzregentenstraße

 

Als blondes Baby Modell für eine vielgenutzte Metall-Reklametafel der Firma Fissan. Musste als Schülerin ihre Identität auf dieser Tafel, die auch nach 1933 noch verwendet wird, als „Nichtarierin“ verbergen. Die 4. Volksschule wird 1938 in der Novemberpogromnacht Opfer der Flammen. 1938 zu Fuß zusammen mit ihren Eltern ins belgische Exil, 1939 Emigration in die USA.

 

Fromm, Erich

(1900 - 1980)

 

Bayerischer Platz 1 (Praxis), Salzburger Str. (Wohnung)

 

Sozialpsychologe, Psychotherapeut, Wissenschaftler

 

Aufgewachsen in einer streng gläubigen Familie. Studium der Soziologie in Heidelberg. Ende der 1920er Jahre Ausbildung zum Psychoanalytiker am Berliner Psychoanalytischen Institut. Ab 1930 Leiter der Abteilung Sozialpsychologie am Frankfurter Institut für Sozialforschung. Nach der Brandmarkung der Psychoanalyse als „jüdische Wissenschaft“ ging Fromm 1933 in die Emigration, erst in die Schweiz, 1934 dann in die USA, wo er u. a. an der Columbia University in New York tätig war. 1950 zog er nach Mexiko und 1973 in die Schweiz. Veröffentliche zahlreiche, teils sehr populäre Bücher, u. a. „Die Kunst des Liebens“ (1956).

Gadiel-Vohs, Familie

in Vorbereitung

 

Galliner, Moritz & Galliner, Peter

Lutherstr. 21 (heute: Martin-Luther-Str.)

 

Moritz Galliner, Rechtsanwalt und Notar (1874 - 1942)

 

Peter Galliner, Journalist (1920 - 2006)

 

Moritz Galliner war auch Vorstandsmitglied der Jüdischen Reformgemeinde zu Berlin; während des Pogroms 1938 wird seine Kanzlei geplündert. Sohn Peter geht nach Großbritannien in die Emigration, wird später als “enemy alien“ auf der Isle of Man interniert, seine Schwester Anne emigriert in die USA. Die Eltern Moritz und Hedwig begehen Suizid.

 

Zu seinem Lebensende Rückkehr Peter Galliners nach Berlin.

 

Stolpersteine für Moritz und Hedwig Galliner: Martin-Luther-Str. 12

Gal-Or, Gideon

in Vorbereitung

 

Gerechter, Leo

in Vorbereitung

 

Gergely, Istvánné

in Vorbereitung

 

Gettinger, Lilli

in Vorbereitung

 

Gillatt, Eva (geb. Oppenheim)

in Vorbereitung

 

Golan, Ester

in Vorbereitung

 

Gotthelf, Karl

in Vorbereitung

 

Goodmann, Alfred

in Vorbereitung

 

Gottschalk, Ralf

in Vorbereitung

 

Grimbly, Ilse (geb. Taterka)

in Vorbereitung

 

Grunwald, Familie

Schulenburgring 2*

 

Askanisches Gymnasium

 

Fritz Grunwald emigriert 1939 in die USA. Bruder Carl lebt versteckt beim Hausmeister bis zu seiner Deportation 1943 nach Theresienstadt, dort trifft  er auf seine Eltern. Die

Eltern Arthur und Rosa Grunwald werden1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet. Carl  stirbt nach verschiedenen anderen Lagern am 23.3.1945 im KZ Buchenwald.

 

Stolpersteine (2004): Schulenburgring 2 für die Eltern Arthur und Rosa Grunwald und Carl Grunwald

 

*In diesem Haus wurde am 2.Mai 1945 der Waffenstillstand für Berlin beschlossen.

H., Edith

in Vorbereitung

 

Haberland, Familie

Haberlandstr. 7 (heute: Nr. 3, zwischenzeitlich: Nördlinger Str. 3)

 

Stadtplaner, Architekt

 

Salomon Haberland (1836-1914), Teilinhaber der Berlinischen Bodengesellschaft (BBG), Planer und Erbauer des Bayerischen Viertels, des Viktoria-Luise-Platzes u. a., später zusammen mit seinem Sohn Georg (1857-1933). Dieser baute als Architekt u. a. auch den U-Bahnhof Rüdesheimer Platz, die Kaufhäuser Tietz, Hermann Tietz, Karstadt und das Verlagshaus Ullstein. In der NS-Zeit wurde der Straßenname Haberland aus dem Stadtbild gelöscht und die Enkel wurden verfolgt: Dr. Kurt H. (1896- 1942) im KZ Mauthausen ermordet; Dr. Werner H. (1899-1970)  als Homosexueller denunziert und untergetaucht, stiftete nach dem Krieg eine Jugendherberge zur deutsch- israelischen Jugendbegegnung in Überlingen/Bodensee; Enkelin Dr. Edith (1902-1994) und Ehemann Otto Friedrich Hermanns (bis 1933 Staatsanwalt am Schöneberger Kammergericht, gest. 1971) konnten mit den Kindern und Urenkeln Salomon Haberlands, Renate und Ralph, nach Schweden emigrieren.

 

Die von den NS-Behörden in Nördlinger Straße umbenannte Haberlandstraße wurde erst 1996 wieder zurück benannt. Bei der Zeremonie waren auf Einladung des Bezirks die Urenkel Ralph Herrmanns und Renate Gynnerstedt (geb. Herrmanns) aus Schweden anwesend. Ebenso die Fotografin Gisèle Freund, die in der Haberlandstr. 7 im selben Haus wie die Enkel Kurt und Werner Haberland gewohnt hatte.

 

Seit Sept. 2014 ist das Café über dem U-Bahnhof Bayerischer Platz, zugleich „Zeithistorisches Portal“, nach der Gründerfamilie Haberland benannt.

 

Hecht, Familie

in Vorbereitung

 

Henoch, Lilli

(1899 – 1942)

 

Haberlandstr. 11 (heute: Treuchtlinger Str. 5)

 

Aktive Sportlerin, Turn- und Sportlehrerin

 

Geb. 1899 in Königsberg. 1919 Übersiedlung nach Berlin. Eintritt in den Berliner Sport-Club (BSC) mit ihrem Bruder Max. Ehrung 1921 als erste Frau mit dem „Goldenen Adler“.

Eine der weltweit bedeutendsten Leichtathletinnen der 1920er Jahre. Vierfache Weltrekordlerin und zehnfache Deutsche Meisterin in den Disziplinen Kugelstoßen, Diskuswurf, Weitsprung und der 4x100-Meter-Staffel; auch erfolgreich in Hockey und Handball.

Musste 1933 den BSC verlassen, weil sie Jüdin war. Unterrichtete an der jüdischen Volksschule, Rykestraße, Prenzlauer Berg, bis diese 1942 geschlossen wurde. Sie wurde 1942 mit ihrer Mutter nach Riga deportiert und erschossen. Auch ihr Bruder Max wurde ermordet.

 

Ehrungen:

Seit 1993 Lilli-Henoch-Straße in Berlin-Prenzlauer Berg.

2008 „Stolperstein“ des Kölner Künstlers Gunter Demnig, Treuchtlinger Str. 5, Berlin-Schöneberg.

 

Mehrere Sportanlagen in Berlin tragen den Namen Lilli Henochs:

 - Werferhalle im Sportforum Hohenschönhausen

 - Sportplatz am Anhalter Bahnhof in Kreuzberg

-  seit März 2005 die Sporthalle der Spreewald-Grundschule

   am Winterfeldtplatz in Schöneberg

Das jährliche Frauensportfest des Berliner Sport-Clubs ist ihr gewidmet.

 

Hermann, Georg (vormals: Georg Borchardt)

(1871 - 1943/44)

Bülowstr. 18

 

Askanisches Gymnasium

Friedrich-Werdersches-Gymnasium

 

Schriftsteller, Autor

 

1896 erster autobiographischer Roman „Spielkinder“, verlegt von Friedrich Fontane. 1896-1899 Studium an der Friedrich-Wilhelms-Universität, arbeitet als Kunstkritiker für den Ullsteinverlag; nimmt den Künstlername „Hermann“ zu Ehren seines Vaters Hermann Borchardt an. 1909 Mitbegründer des Schriftsteller-Schutzverbundes, hier auch Vorstandsmitglied. Zahlreiche sehr erfolgreiche Romane, u. a. „Jettchen Geberts Geschichte“, „Der Kleine Gast“ und „Rosenemil“. 1933 Flucht ins Exil in die Niederlande, 1939 Einbürgerung in die Niederlande, Antrag auf Staatsbürgerschaft in Paraguay, die 1942 bewilligt wird. Am 16.11.1943 Deportation nach Auschwitz, wo er ermordet wird.

 

Gedenktafel: Kreuznacher Str. 28

Parkbenennung: Georg-Hermann-Garten mit Gedenkstein in Friedenau (Goßlerstr. 24-25)

Herschberg, Henny

in Vorbereitung

 

Heymann-Loebenstein, Margarete (geb. Heymann)

(1899 - 1990)

 

Thüringer Ring 3

 

Keramikerin, Künstlerin

 

Stand als Keramikerin und Designerin der Manufaktur „Haël“ in Velten vor. Sie war früh verwitwet, hatte zwei Söhne. 1934 wurde ihr Betrieb von Heinrich Schild in Verbindung mit Hedwig Bollhagen „arisiert“. 1933 kurzzeitig Flucht nach Dänemark, später Emigration nach Großbritannien, hieß nach erneuter Heirat Marcks.

Hiller, Kurt

 (1885 - 1972)

 

Nollendorfstr. 34, Hähnelstr. 9

 

Schriftsteller, promovierter Jurist, Journalist

 

Gründungsmitglied verschiedener literarischer Clubs und Cabarets („Neopathetisches Cabaret“), Sexualstrafrechtsreformer mit Magnus Hirschfeld (Abschaffung § 175)  und mit Helene Stöcker (u. a. Abschaffung des § 218). Mitglied der Deutschen Friedensgesellschaft und 1926 der Gruppe revolutionärer Pazifisten. Mitarbeiter der „Weltbühne“. 1933 Folter im KZ Columbiahaus, danach KZ Brandenburg und KZ Oranienburg. Flucht 1938 nach Großbritannien. 1955 Rückkehr nach Deutschland (Hamburg).

 

Gedenktafel (1990): Hähnelstr. 9

 

Parkbenennung (2000): Kurt-Hiller-Park in der Grunewaldstr. 5 mit Brandwandgestaltung im Hintergrund

 

Gründung der Kurt Hiller Gesellschaft 1998 in Hamburg

Hilsley, William (vormals: William Joseph Hildesheimer)

(1911 - 2004)

 

Bamberger Str. 39

 

Musiker

 

Pianist, britischer Staatsangehöriger, geht 1935 als Musiklehrer an eine Quäkerschule in die Niederlande. 1940-45 Zivilinternierter in diversen Lagern, dort als „Musical Director“ zahlreiche Aufführungen.

 

Nach dem Krieg Rückkehr nach England, 1947 wieder in den Niederlanden.

Hochdorf, Familie

in Vorbereitung

 

Hofstein, Irene

in Vorbereitung

 

House, Marion (geb. Sauerbrunn)

(geb. 1923)

 

Bayerischer Platz 13-14

 

Rückert-Schule (heute: Rückert-Gymnasium), Goldschmidtschule (jüdische Privatschule)

 

Der Vater war Kriegsteilnehmer im Ersten Weltkrieg und Teilhaber einer Firma mit Sitz an der Berliner Börse. Die Mutter (geb. Mandelbaum) kam als junges Mädchen aus Chrzanow/Polen nach Deutschland. Marion kam im Mai 1939 mit einem Kindertransport nach Großbritannien, ihre Eltern überlebten das KZ Theresienstadt. Nach dem Zweiten Weltkrieg Arbeit für die amerikanische Militärregierung in München, um ihre Eltern wiederzutreffen, die in Bayern in einem Displaced Persons Lager (DP) lebten. Nach etwa einem Jahr gingen sie gemeinsam in die USA. Lebt heute in New York und besucht als Zeitzeugin häufig ihre alte Schule.

Jacobsohn, Moritz

(1880 – 1961)

 

Bismarckstr. 33 (heute: Belßstr. 1), Tempelhof

 

Arzt

 

Moritz Jacobsohn war Reichsbahnarzt, Werksarzt bei Daimler-Benz, praktizierte aber auch als Hausarzt.

„Der liebe Gott von Marienfelde“ wurde von simulierten Kranken zu Hausbesuchen gelockt und mit Kot beworfen. Heimlich gingen selbst Nazis zu ihm. Ging ins Exil über Großbritannien und Kuba in die USA, wo Quäker ihm eine Professur ermöglichten. Mit 60 Jahren erlangte er in New York die Möglichkeit zu praktizieren durch ein weiteres Examen zurück.

 

Gedenkstein (1990): Marienfelder Allee, Ecke Belßstraße in Tempelhof

Straßenbenennung (1991): Dr.-Jacobsohn-Promenade in Tempelhof

 

Jacoby, Hellmut Erich

(1903 - 1978)

 

Wartburgstr. 19

 

Rechtsanwalt

 

Syndikus der Eisenbahner-Gewerkschaft, 1933 Emigration nach Dänemark. Flucht durch viele Länder, ab 1940 auf den Philippinen (Asien). Lebte später in den USA, dann im Auftrag der UNO in Italien tätig, nimmt die schwedische Staatsbürgerschaft an.

 

Mit seiner Frau, einer Dänin, hatte er eine Tochter, die später Botschafterin Schwedens in Deutschland und Italien wurde.

Johnson, Hans (vormals: Jottkowitz)

(geb. 1918)

 

Barbarossastr. 45

 

14. Gemeindeschule (heute: Löcknitz-Grundschule)

Hohenzollern-Gymnasium

 

Vater Georg war selbständiger Handelsvertreter und Kompagnon seines Schwiegervaters in der Firma Luis Wachsner & Co. Hans verließ 1933 das Hohenzollern-Gymnasium, da keine Aussicht auf ein Studium bestand. Lehre zum Textilfärber in Oberschöneweide; Permit für Neuseeland, Emigration am 5.11.1938. Er nahm den Namen Hans P. Johnson an und arbeitete in Neuseeland als Textilfärber.

Joseph, Otto

(geb. 1920)

 

Burggrafenstr. 18

 

Werner-Siemens-Realgymnasium (heute: Georg-von-Giesche Oberschule)

 

Mutter hatte Kunstgeschichte an der Berliner Universität studiert; Vater war Chefarzt der Kinderabteilung im Weddinger Krankenhaus und besaß daneben eine eigene Praxis.

Die Familie lebte nicht koscher, besuchte die Synagoge nur an den hohen Feiertagen.

Emigration am 1.9.1933 nach Florenz, später über Paris nach Brasilien und schließlich in die USA. Begann 1941 in Brasilien die Ausbildung zum Kaufmann bei einem Zweigbetrieb der deutschen Böhler AG. Arbeitete in den USA als Prokurist in einer Stahlfabrik, gründete eine eigene Firma für Stahlmetalle.

Joseph, Wilhelm & Joseph, Sally

 

Hauptstr. 163 (Geschäft), Hauptstr. 1 (Geschäft)

 

Kaufleute

 

1892 gründete Wilhelm Joseph in der Hauptstr.163, Ecke Großgörschenstraße einen Laden, der zum Kaufhaus wird. Er musste schon 1934 verkaufen.

Bruder Sally besaß seit der Jahrhundertwende gegenüber in der Hauptstr.1, Ecke Grunewaldstraße ein Geschäft für Herrengarderobe, das 1940 zwangsweise „arisiert“ wurde.

 

Kaléko, Mascha

 

(1907-1975)

 

Hohenzollernkorso 68 (Neu-Tempelhof), heute: Manfred-von-Richthofen-Straße; Bleibtreustraße 10-11 (Charlottenburg)

 

Dichterin, Schriftstellerin

 

Mascha Kaléko, 1907 in Galizien geboren, wurde um 1930 in Berlin mit heiter-melancholischen Großstadt-Gedichten bekannt. 1933 erschien der erste Gedichtband „Das lyrische Stenogrammheft“, 1934 der zweite „Kleines Lesebuch für Große“. Besuch der Kunst- und Kunstgewerbeschule Reimann in Schöneberg. 1938 Emigration nach  New York. Ihre Exil-Gedichte publizierte sie 1945 in dem Band „Verse für Zeitgenossen“. 1956 besuchte Mascha Kaléko zum ersten Mal seit ihrer Emigration wieder Deutschland und Berlin.
1959 zog sie mit ihrem Mann, dem Komponisten Chemjo Vinaver, nach Israel. Am 11. Oktober 1968 las sie in der Theodor-Heuss-Bibliothek in Berlin-Schöneberg. Die erfolgreichste deutschsprachige Lyrikerin des 20. Jahrhunderts starb 1975 in Zürich.

 

 

Gedenktafel: Bleibtreustraße 10/11 in Charlottenburg

Mascha-Kaléko-Weg in Berlin-Kladow

Kallmann, Helmut

in Vorbereitung

 

Kann, Antonie

(1916 - 2011)

 

Neue Ansbacher Str. 6 (heute: Ansbacher Str. 65)

 

Technische Assistentin, Kinderkrankenschwester

 

Lebte in Berlin-Tiergarten. Ihr Vater konnte dort als Rechtsanwalt auch nach 1933 arbeiten, da er Frontsoldat im Ersten Weltkrieg war. Emigrierte 1939 allein nach Großbritannien, kannte die spätere Schöneberger Adresse der Eltern nur aus deren Briefen. Wegen der bevorstehenden Deportation begingen ihre Eltern 1942 Suizid. Nur um das elterliche Grab in Berlin-Weißensee zu besuchen, kam sie 1992 nach Berlin.

Kaplan, Doris

(1931−1942)

 

Luitpoldstr. 5 u. 21

 

Schülerin, Arzttochter

 

 

1931 in Guben geboren, kommt Doris Kaplan im März 1940 mit neun Jahren allein nach Berlin, um hier als Übergangslösung die Schule zu besuchen, während sich die Eltern um Ausreise bemühen. Sie wohnt bei der befreundeten Familie Meissinger in der Luitpoldstr. 5, ab Februar 1942 bei Familie Schlome in der Luitpoldstr. 21. Während dieser Zeit schreibt sie berührende Briefe an ihre Eltern und Großeltern („Sonntagsbriefe“). Im Dezember 1941 stirbt der Vater, als Krankenbehandler beim Autobahnbau eingesetzt, an Fleckfieber. Ostern 1942 wird Doris Kaplan gemeinsam mit Ihrer Mutter Elisabeth ins Warschauer Ghetto deportiert, ab Herbst 1942 gelten beide als verschollen.

 

 

Stolpersteine (2011): Für Doris und Elisabeth Kaplan in Guben

 

Literatur: Jenny Erpenbeck: Heimsuchung, Frankfurt a. M. 2008

Karpel-Coulson, Edith

in Vorbereitung

 

Kautsky, Luise & Karl

(1854 - 1938) (1864 - 1944)

 

Niedstr. 14, Saarstr. 14

 

Politikerehepaar, Theoretiker, Philosophen

 

In Österreich, der Schweiz, Deutschland und erneut Österreich politisch aktiv in der Sozialdemokratie, persönlicher Kontakt zu Marx, Engels, Bebel, Liebknecht und Rosa Luxemburg. 1897 zieht das Ehepaar nach Berlin. Karl Kautsky gilt bis zum Ersten Weltkrieg als wichtiger Theoretiker.1938 geht das Ehepaar wegen politischer und rassistisch Verfolgung von Österreich in die Niederlande ins Exil, wo Karl Kautsky stirbt. Luise Kautsky, Sozialistin und ehemals Berliner Stadtverordnete für die USPD, wird als Jüdin 1944 über Theresienstadt nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Sohn Benedikt Kautsky überlebt das KZ Buchenwald, die beiden anderen Söhne können in die USA emigrieren.

 

Stolperstein (2009) für Luise Kautsky, Windscheidtstr. 31

Gedenktafel für Karl Kautsky, Saarstr.14, Bundesgeschäftsstelle der Falken

Kerr, Alfred

(1867-1948)


Bamberger Str. 42

 

Schriftsteller, Theaterkritiker, Journalist

 

Vor 1933 galt Alfred Kerr als Berlins einflussreichster Theaterkritiker.1933 wurden seine Bücher verbrannt, er selbst wurde ausgebürgert. Über Prag, Lugano, Zürich und Paris erreichten er und seine Familie London. Im Exil schrieb Kerr für neu gegründete deutschsprachige Zeitungen, arbeitete für den Freien Deutschen Kulturbund und den Deutschen P.E.N. in London. Die Tochter Judith beschrieb in ihren Büchern das Leben im Exil aus der Perspektive eines jungen Mädchens. 1938 wurde Kerr Mitbegründer des Freien Deutschen Kulturbundes. Von 1941 bis 1946 war er Präsident des Deutschen P.E.N.-Club in London, von 1946 bis zu seinem Tod Ehrenpräsident. Während einer Vortragsreise durch Deutschland erlitt er einen Schlaganfall und nahm sich in der Folge das Leben. Neben seinem großartigen Werk erinnern eine Stiftung und Preise an ihn.

 

Gedenktafeln an den ehemaligen Wohnorten in der Douglasstr. 10 (enthüllt 1971) und der Hohmannstr. 6 (enthüllt 1988) in Berlin-Grunewald.

Kolmar, Gertrud (vormals: Chodziesner)

 

(1894 - 1943)

 

Speyerer Str. 10 (heute Münchener Str.)

 

Schriftstellerin, Lyrikerin

 

Veröffentlichte seit Anfang der 1920er Jahre Gedichte unter dem Künstlernamen Kolmar. Umfangreicher Briefwechsel mit der Schwester in der Schweiz. Wohnte zuletzt mit ihrem Vater Ludwig Chodziesner in einer sogenannten „Judenwohnung“. Zu Zwangsarbeit verpflichtet, wurde sie im Rahmen der sogenannten „Fabrikaktion“ am 27.2.1943 am Arbeitsplatz verhaftet und wenige Tage später nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Viele ihrer Werke wurden erst nach dem Zweiten Weltkrieg veröffentlicht.

Sie gilt heute als eine der bedeutendsten deutschsprachigen Lyrikerinnen. 

 

Stolperstein: Münchener Str. 18 a

Kopfstein, Max Mordechai

in Vorbereitung

 

Krüger, Helmut

in Vorbereitung

 

Kuttner, Erich

in Vorbereitung

 

Lachmann, Benedict

in Vorbereitung

 

Lachmann, Joseph

in Vorbereitung

 

Lammel, Inge

(1924 - 2015)

 

Rosenheimer Str. 26

 

Musikwissenschaftlerin

 

Kindertransport zusammen mit ihrer Schwester nach England 1939. Als „enemy alien“ 1940 auf der Isle of Man interniert. Die Eltern Ella und Julius Rackwitz wurden nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Rückkehr in die DDR 1947, um zu helfen ein „besseres Deutschland aufzubauen“. Prominente Musikwissenschaftlerin in der DDR. Baute das  „Arbeiterliedarchiv“ an der Akademie der Künste auf und war über 30 Jahre dessen Leiterin.

 

Herausgeberin zahlreicher Sammlungen politischer Lieder.

 

Gestorben am 2. Juli 2015 in Berlin.

Landsberger, Richard

1884 – 1965

 

Apostel-Paulus Str. 26

 

Apotheker, Sportfunktionär

 

Geb. in Schrimm (Posen),Verheiratet mit Johanna Aronheim, hatten 3 Kinder

Kaufte 1913 die A. Alves Augusta Apotheke

(Augustastr. 22, Tiergarten, heute Reichpietschufer)

Schon 1936 Zwangsverkauf der Apotheke, noch vor Verlust der Approbation 1938.

 

Von 1933-1938 Präsident vom JSK

(Jüdischer Sport-Klub e.V.),

einem Mitglied des deutschen Makkabikreises

 

Wurde am 9.11.1938 (November Pogrom) zusammen mit 12.000 Berliner Juden verhaftet.

Aus dem KZ Sachsenhausen im Dez. 1938 entlassen mit der Auflage, das Land zu verlassen.

Jan. 1939 Aufbruch von Antwerpen nach New York City, USA, ab Mai 1939 wegen US Visaprobleme Exil in Kuba,

1940 Familienzusammenführung in New York.

 

Am Haus Apostel-Paulus Str.26 erinnern seit 2012 die heutigen Bewohner mit einer Gedenktafel

an ihre ehemaligen jüdischen Nachbarn.

 

Laserstein, Lotte

(1898-1993)

 

Stierstr. 19

 

Malerin

 

Studium an der Friedrich-Wilhems-Universität und der Akademischen Hochschule für die bildenden Künste. Bedeutende Vertreterin der gegenständlichen Malerei der „Neuen Sachlichkeit“ in den 1920er Jahren. Ging 1937 ins Exil nach Schweden, hier wirtschaftliches Überleben durch Betätigung als Porträtistin und Landschaftsmalerin. Erst im Alter Anerkennung als freie Künstlerin. In Deutschland wiederentdeckt in den 1990er Jahren durch den Verein „Verborgenes Museum“ mit großer Einzelausstellung 2003 im Berlin Museum/Ephraim Palais. 2010 Ankauf ihres Schlüsselwerks „Nacht über Potsdam“ (1930) durch die Neue Nationalgalerie.

 

Straßenbennung (2007): Lotte-Laserstein-Straße in Schöneberg

Stolperstein (2010): Immenweg 7 in Steglitz für die Mutter Meta Laserstein, geb. Birnbaum

 

Lasker, Emanuel

 

(1868 - 1941)

 

Aschaffenburger Str. 6 a

 

Philosoph, Mathematiker

 

Galt als „Philosoph am Schachbrett“, war promovierter Mathematiker und von 1894 bis 1921 Schachweltmeister. War der Schwager von Else Lasker-Schüler. Ging 1933 ins Exil in die Niederlande, 1934 nach Großbritannien, 1935 in die Sowjetunion. Dort arbeitete er als Mathematiker, musste aber 1937 im Zuge der stalinistischen „Säuberungen“ fliehen und ging schließlich in die USA. 1938 wurde er aus Deutschland ausgebürgert. Lasker starb fast mittellos in den USA.

2001 Gründung der Emanuel Lasker Gesellschaft zu seinem 60. Todesjahr  

 

Lasker-Schüler, Else

in Vorbereitung

 

Leipziger, Karl-Heinz

in Vorbereitung

 

Leisersohn, Familie

in Vorbereitung

 

Leo, Maria

in Vorbereitung

 

Lévy, Hanni

(geb. 16. März 1924)

 

u. a. Augsburger Str. 62

 

Schülerin, Zwangsarbeiterin, untergetaucht überlebt

 

Hanni Weißenberg wuchs zunächst in Berlin-Kreuzberg auf. Mit 13 Jahren musste sie die Volksschule in der Gneisenaustraße verlassen, weil sie Jüdin war, und auf die Joseph-Lehmann-Schule der Jüdischen Reformgemeinde zu Berlin wechseln. Ab 1935 durfte ihr Vater seinen Beruf als Fotograf nicht mehr ausüben, er starb 1940 an den Folgen von Zwangsarbeit. Wenig später wurde auch sie zur Zwangsarbeit in der Spinnstofffabrik Zehlendorf herangezogen. 1942 starb ihre Mutter aus Mangel an ärztlicher Hilfe. Im Herbst des gleichen Jahres wurde die Großmutter Cäcilie Oberländer nach Theresienstadt deportiert, wo sie im Februar 1943 starb.
Im selben Monat entging Hanni Weißenberg den Verhaftungen und Deportationen der „Fabrikaktion“ in Berlin. Sie tauchte unter, fand schließlich Zuflucht bei den Familien Most und Kolzer und lebte mit falscher Identität. Mit Hilfe dieser Familien überstand sie die Zeit der Verfolgung. 

 

1946 zog sie zu ihrem Onkel nach Paris, heiratete und bekam zwei Kinder. 1978 wurden Viktoria Kolzer, Elfriede und Grete Most auf ihre Veranlassung hin als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt.

 

Hanni Lévy ist als Zeitzeugin aktiv und hält engen Kontakt zu den Nachkommen der Familie Kolzer und einigen Bewohnern des Hauses Nollendorfstr. 28, die dafür sorgten, dass im Hof eine Gedenktafel für Jean und Viktoria Kolzer angebracht wurde. Zur Enthüllung der Tafel 2010 und im Oktober 2017 zur Premiere des Films „Die Unsichtbaren – Wir wollen leben“, der auch ihre Geschichte erzählt, war sie mit ihrer ganzen Familie anwesend.

 

Stolperstein (2011): Else-Lasker-Schüler-Str. 5 in Schöneberg für die Großmutter Cäcilie Oberländer

Levy, Wolfgang

in Vorbereitung

 

Lewin, Johny

in Vorbereitung

 

Lewinsohn, Erich

(geb. 1924)

 

Motzstr. 1

 

Werner-Siemens-Realgymnasium (heute: Georg-von-Giesche Oberschule)

 

Fotomechaniker, Handwerker

 

Brach schon 1934 die Schule ab, wegen Schikanen des Lehrers. 1938 ins Exil nach Belgien, lebte dort mit den Eltern und dem Bruder illegal. 1940 mit dem Bruder nach Großbritannien. Die Eltern wurden in Auschwitz ermordet. Es existiert ein letzter Brief der Eltern, den sie vor der Deportation schrieben.

 

Aktiver Zeitzeuge (Interview 1994)

Mamlock, Familie

Apostel-Paulus-Str. 13 und 14, Münchener Str. 18

 

Modebranche

 

Der Großonkel Arnold Mamlock (1878-1946) und Recha (1878-1965) überleben in Amsterdam, sie hatten zuvor ein Geschäft: Seidenband en gros. Deren Sohn Karl-Heinz (1911-1945) baut im Exil in Amsterdam/Niederlanden ein neues Geschäft auf, wird 1944 verraten. Deportation und Tod im KZ  Mauthausen. Tante Ruth (1915-2002) und Onkel Erwin (1908-1991) überleben in Palermo/ Italien. Die Großeltern Albert (1889-1964) und Clara (1893-1976) und der Vater Kurt (1924-2001) überleben versteckt in Berlin.

Album und Stammbaum erstellt von Michael Mamlock (geb.1951).

Mamlok, Ursula

in Vorbereitung

Mann, Rahel R.

(geb. 1937)

 

Starnberger Str. 2

 

Rückert-Gymnasium (nach dem Krieg)

 

Lebt von 1938 bis 1944 bei wechselnden Pflegefamilien, Mutter zu Zwangsarbeit verpflichtet. In den letzten Monaten des Krieges als Kind in einem Keller von der Hauswartsfrau Frau Vater versteckt. Erst nach dem Krieg Schule und später Studium verschiedener Studiengänge. Danach selbständig als Psychosomatikerin zunächst in Braunschweig, dann in Berlin tätig. Heirat, zwei Kinder, nach längerem Aufenthalt in Israel zurück in Berlin. Seit den 1970er Jahren als Zeitzeugin tätig.

Markus, Bertha

(1863 - 1943)

 

Schwerinstr. 5

 

Hausfrau

 

1935 aus ihrem Heimatort Deutsch-Krone (Westpreußen, heute: Walcz, Polen) wegen Antisemitismus nach Berlin übergesiedelt, wo bereits viele Verwandte wohnten. Fromme Jüdin. Der Ehemann Adolf stirbt 1937. Bertha Markus wird 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo sie 1943 an Hunger stirbt. Die Familie wusste lange nichts vom Schicksal der Großmutter.

 

Das Album wurde erstellt von der Urenkelin Dr. Ilona Zeuch-Wiese.

 

Stolperstein (2008) für Bertha Markus, Schwerinstr. 5

 

Meidner, Ludwig

in Vorbereitung

 

Merzbacher, Mirjam

in Vorbereitung

 

Meseritz, Georg und Familie

in Vorbereitung

 

Meyer, Familie

in Vorbereitung

 

Misch, Ludwig

in Vorbereitung

 

Mosse, Georg

(1918 - 1999)

 

Maaßenstr. 28

 

Historiker, Wissenschaftler

 

Sohn des Verlegers Hans Lachmann-Mosse. 1933 Enteignung und Flucht der sehr wohlhabenden assimilierten Familie in die Schweiz. Weitere Emigrationsländer: Frankreich, Großbritannien, schließlich 1939 USA, wo er sich als Historiker mit den Themen Masse, Nationalsozialismus und Sexualität auseinandersetzte; zahlreiche Publikationen.

 

„Das Exil hat mich mit Energie erfüllt und herausgefordert wie nichts zuvor.“

 

Mühsam, Familie

Motzstr. 5, Kurfürstenstr. 115*

 

 

Dr. Wilhelm Mühsam (1874- 1939) war ein berühmter Augenarzt, sein Sohn Heinrich (1900- 1944) war Journalist, er wurde in Auschwitz ermordet, die Mutter Paula (1876-1943) wurde in Theresienstadt ebenfalls ermordet. Gerettet wurden Louise (geb. 1903), die 1938 ins Exil nach Australien ging und Rudolf (1906-1994), der 1937 in die USA emigrierte.

 

Gedenktafel: Vor dem Haus Kurfürstenstr. 115 (an der Bushaltestelle), erinnert an das Vereinshaus des jüdischen Brüdervereins (ab 1939 vom „Judenreferat der Gestapo“ unter Leitung von Adolf Eichmann genutzt)

Neumann, Camilla (geb. Seliger)

(1892-1965)

 

Heilbronner Str. 26

 

Krankenschwester

 

Tochter Ursula (später Susan) emigriert als Lehr-Krankenschwester 1938 nach Großbritannien, später in die USA. 1941 Zwangsarbeit von Ludwig und Camilla Neumann. Nach der „Fabrikaktion“ 1943 Deportation von Ludwig Neumann nach Auschwitz. Camilla Neumann geht daraufhin 1943-1945 in die Illegalität und wird von verschiedenen Personen in Berlin versteckt. 1946 „Erlebnisbericht aus der Hitlerzeit“, 1949 Auswanderung in die USA.

 

Ihr früher Erlebnisbericht (1946) wurde in Auszügen in „Orte des Erinnerns Band II, Jüdisches Alltagsleben im Bayerischen Viertel“, Hg. Kunstamt Schöneberg, 1999 (2. Auflage) veröffentlicht.

 

Newton, Helmut (vormals: Neustaedter)

(1920 - 2004)

 

Innsbrucker Str. 24

 

Fotograf, Künstler

 

Ausbildung bei der angesehenen Fotografin Yva. 1938 Emigration nach Singapur (Asien).

Internierung 1941 als “enemy alien“ bei Melbourne, Australien, später australischer Staatsbürger. Seit den 1970er Jahren einer der weltweit begehrtesten Mode-, Porträt- und Werbefotografen. 2003 Gründung der Helmut-Newton-Stiftung und Ausbau der Jebensstr. 2 in Berlin zum Museum für Fotografie. Dauerleihgabe von über 1000 Werken an die Stadt Berlin.

 

Grab auf dem Friedhof an der Stubenrauchstraße neben Marlene Dietrich.

 

Gedenktafel: Innsbrucker Str. 24

Orni, Rahel

in Vorbereitung

 

Paisley, Peter H. (vormals: Herbert Peiser)

(geb. 1921)

 

Hohenstaufenstr. 56

 

12. Volksschule (heute: Scharmützelsee-Grundschule),

 

Werner-Siemens-Realgymnasium  (heute: Georg-von-Giesche Oberschule)

 

 

Übersetzer

 

 

Wird von den Eltern 1935 in eine Schule nach Belgien geschickt. Setzt sich unter dem Namen Leon Piron in die Fremdenlegion nach Frankreich ab, wird in Gurs interniert, kann als Belgier nach England fliehen. Wird unter dem Namen Peter Paisley Soldat in der britischen Armee. Seine Eltern überleben 1940 zunächst in Palästina, dann in Südafrika. In den 1990er Jahren kommt Peter Paisley als Zeitzeuge in seine frühere Schule und trifft auf alte Schulfreunde.

Passikowa, Lydia

in Vorbereitung

Pinkus, Theo

(1909 - 1991)

 

Belziger Str. 48 (zur Untermiete)

 

Buchhändler, Praktiker des Emanzipations- und Selbstverwaltungsgedankens, Publizist

 

Seine Eltern wandern 1908, wegen des aufkommenden Antisemitismus an der Breslauer Universität, in die Schweiz aus. Theo P. zieht 1927 als Schweizer Staatsbürger nach Berlin,  macht eine Lehre beim Rowohlt Verlag und tritt dem Kommunistischen Jugendverband (KJVD) in Schöneberg bei. Ab 1930 bei Münzberg im Vertrieb der AIZ (Arbeiter Illustrierte Zeitung). Im April 1933, als Kommunist, Jude und Ausländer bedroht, kehrt er in die Schweiz zurück. Heirat mit Amalie de Sassi und Aufbau des Buchladens mit Antiquariat und der Studienbibliothek zur Geschichte der Arbeiterbewegung in Zürich. Nach dem Krieg häufig als aktiver Zeitzeuge sowie Gründungsmitglied und Berater der Berliner Geschichtswerkstatt und des Aktiven Museums in West-Berlin.

 

Seine Stiftung Studienbibliothek/ Archiv in Zürich ist eine gefragte Anlaufstelle zu den Themen Arbeiterbewegung und neue soziale Bewegungen.

 

Pinner, Ernst

(1889 - 1947)

 

Paetschstr. 28

 

Rechtsanwalt und Notar

 

1920 Heirat, zweite Ehe 1936, zwei Söhne, eine Tochter. Umfangreiche Korrespondenz mit seiner seit 1933 in Palästina lebenden Schwester, 1939 Emigration der Familie nach Palästina. In einer landwirtschaftlichen Genossenschaftssiedlung (Kibbuz) findet die Familie eine neue Lebensgrundlage.

Pinthus, Kurt

(1886 - 1975)

 

Heilbronner Str. 2

 

Essayist, Kritiker, Herausgeber

 

 

War Dramaturg bei Max Reinhardt am Deutschen Theater. Sein 1914 herausgegebenes „Kinobuch“ ist die erste Sammlung zu Literatur und Film, seine 1920 herausgegebene  „Menschheitsdämmerung“ die berühmteste Anthologie expressionistischer Lyrik. Bereits 1933 steht er auf der ersten Liste verbotener Autoren. Emigration 1937 in die USA.

Nach dem Krieg 1966 Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland und Rückkehr nach Marbach. 1971 stiftet er dem dortigen Literaturarchiv seine kostbare Bibliothek.

 

Gedenktafel (1992): Heilbronner Str. 2

Plattring, Familie

Kirchstr. 84, Tempelhof

 

 

Kaufleute und Modezeichnerin

 

 

Naftalin Plattring (1878-1942) aus Ostgalizien heiratet 1897 Antonie (Toni) Sommer aus Czernowitz (1883-1942). Er hat die philippinische Staatsangehörigkeit und ist auf der Insel Cebu als Perlenhändler tätig. 1922 Umzug der Familie nach Berlin-Marienfelde, Aufbau der Firma Stern Verschlüsse GmbH in der Potsdamer Str. 61. Die Söhne Friedrich (1902-1956) und Adolf Marcus (1904-1973) arbeiten als Buchhalter in der väterlichen Firma. Friedrich emigriert als Frederick 1937 in die USA und lebt als Kürschner in New York City. Auch Adolf Markus emigriert 1937 in die USA. Tochter Fanny Luise (geb. 1911) wird Krankenschwester und geht nach Uruguay. Flora (1913-1966) besucht die Modezeichnerinnenklasse des Lette-Vereins. Jeannette (geb.1915)  emigriert 1939 nach Argentinien, lebt später auch in den USA. Die Eltern Naftalin und Toni Plattring werden 1942 nach Riga deportiert, wo sich ihre Spur verliert.

 

Stolpersteine (2011): Kirchstr. 84 für Naftalin und Antonie Plattring

 

Popper, Stephanie

(geb. 1924)

 

Nymphenburger Str. 3

 

Luise-Zickel-Schule (jüdische Privatschule)

 

Von den Eltern, die in Schlesien eine Essig- und Senffabrik besaßen, nach Berlin geschickt, besuchte sie die „Zickel-Schule“. Sie erlebt die Pogromnacht in Berlin. Ihr Bruder Max kann vorher noch nach Palästina auswandern.1939 flieht sie mit den Eltern nach Santo Domingo, dann Emigration in die USA.

Proskauer, Erna (geb. Aronsohn)

(1903 - 2001)

 

Kaiserallee 26 (heute: Bundesallee)

 

Juristin

 

1920 zieht Erna Aronsohn mit ihrer Familie aus Bromberg nach Berlin. Abitur 1922, Jura-Studium, Richterin (Assessorin); heiratet 1930 den Rechtsanwalt Max Proskauer. 1933 aus dem Dienst entlassen, Emigration über Frankreich nach Palästina, wo sie eine Wäscherei betreibt.

 

1953 Rückkehr nach Berlin. Niederlassung als Anwältin (später auch Notarin), übernimmt 1968 nach dem Tod ihres (geschiedenen) Mannes dessen Praxis.

Rau, Gertrud & Rau, Erna

in Vorbereitung

Reich, Wilhelm

in Vorbereitung

Reifenberg, Edith

(1902 - 2001)

 

Rosenheimer Str. 33

 

 Ökonomin

 

1920 Studium der Nationalökonomie in Leipzig. Nach dem Studium bis 1933 Arbeit beim Berliner Rundfunk im Vox Haus, Potsdamer Straße. Wirtschaftsredaktion bei Ullstein, von dort als Berichterstatterin nach Südafrika geschickt. Dort lebte sie bis zur Rückkehr nach Hamburg 1960.

Reimann, Clara & Albert

in Vorbereitung

Riesenburger, Familie

Stierstr. 22 und 21

 

Ruben R. (1873-1944) war hoch dekorierter Pilot im Ersten Weltkrieg, Deportation nach Theresienstadt. Minna R. (1862-1943) hatte einen Tabakladen in der Stierstr. 22, auch sie wurde nach Theresienstadt deportiert. Betty R. (geb. 1904) gelang 1939 die Emigration nach Shanghai, von dort 1947 in die USA. Ihr Sohn Robert Cohn (geb.1947) ist der Verfasser eines Familienerinnerungsbuches „Against all Odds“ und Initiator weiterer Stolpersteine in der Stierstraße zusammen mit der dortigen Stolperstein-Initiative.

 

Stolpersteine (2009): Stierstr. 21 für Ruben und Minna Riesenburger  

Rinott, Rahel

in Vorbereitung

Rosenthal, Harry

in Vorbereitung

Rubens, Ernst & Walter

in Vorbereitung

Salomon, Alice

(1872 - 1948)

 

Luitpoldstr. 27 (heute: Nr. 20)

 

Sozialarbeiterin, Pädagogin, Frauenrechtlerin

 

Aktivistin der ersten Frauenbewegung, Studium an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin, Promotion. Gründete 1908 die Soziale Frauenschule und 1925 in den Räumen des Pestalozzi-Fröbel-Hauses die Deutsche Akademie für soziale und pädagogische Frauenarbeit, mit der sie sich um die Professionalisierung der fürsorgerischen Arbeit (Sozialarbeit) bemühte. 1914 Übertritt zum evangelischen Glauben. 1932 Ehrendoktorwürde. 1937 Emigration in die USA. 1939 Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft sowie ihrer Doktortitel.

 

Gedenktafeln: Karl-Schrader-Str. 7-8 (Pestalozzi-Fröbel-Haus, Haus 3), Alice-Salomon-Platz 5, Berlin-Hellersdorf (2008)

 

Die Alice-Salomon-Hochschule trägt ihren Namen. Das Alice-Salomon-Archiv befindet sich in ihrer ehemaligen Wirkungsstätte (Pestalozzi-Fröbel-Haus, Karl-Schrader-Str. 7-8).

 

Sandmann, Gertrude

(1883 - 1981)

 

 

Am Karlsbad 11, Eisenacher Str. 103 (Versteck), Eisenacher Str. 89 (letzte Atelierwohnung)

 

Künstlerin

 

Gertrude Sandmann ist Schülerin von Käthe Kollwitz, seit 1926 Mitglied der GEDOK (Gemeinschaft deutscher und österreichischer Künstlerinnen). 1942 simulierter Selbstmord, danach Untertauchen in Berlin-Treptow. Nach dem Krieg Weiterarbeit in ihrem Atelier in der Eisenacher Str. 89. 1974 Mitgründerin der „Gruppe L74“ für ältere Lesben, Mitherausgeberin der Zeitschrift „Unsere kleine Zeitung“ (UKZ) und engagiert in der „Neuen Frauenbewegung“.

 

Gedenktafel (2014): Eisenacher Str. 89 am Haus der letzten Atelierwohnung

Sachs, Nelly (Leonie)

(1891 - 1970)

 

Maaßenstr. 15 (heute: Nr. 12)

 

Schriftstellerin, Lyrikerin

 

Erhält 1966 den Nobelpreis für Literatur, veröffentlicht u. a. „Sternverdunklung“ (Amsterdam 1949). Freundin der schwedischen Autorin Selma Lagerlöf. Geht 1940 mit der Mutter nach Schweden ins Exil, ihr Bräutigam wird in Deutschland verfolgt und ermordet.

 

Gedenktafeln: Maaßenstr. 12 und Lessingstr. 5, Hansa-Schule

 

Scheftelowitz, Elchanan (vormals: Erwin)

(1911 - 2000)

 

Kleiststr. 5

 

Jurist, Rabbiner

 

1934 bis 1937 amtierender Rabbiner der Synagoge Münchener Straße. 1937 Emigration nach Palästina, bis 1982 in Haifa tätig als Rechtsanwalt und Notar, u. a. auch In Entschädigungs- und Wiedergutmachungsfällen. Traute in Israel mehrere ehemalige Mitglieder seiner Berliner Synagogengemeinde.

Schiller, Adolf

 

(1861-1943)

 

Luitpoldstr. 4, Am Volkspark 2(Villa), Landsberger Str. 14, Berlin-Friedrichshain 

Glasfabrikant, Techniker

 

Hielt als Glasfabrikant auch Patente, war Stadtverordneter, Baurat und Regierungsbaumeister.  1939 Umzu in eine sogenannte "Judenwohnung", Verlust seines gesamten Vermögens. 1943 Deportation nach Theresienstadt, wo er ermordet wurde.

 

Schlome, Familie

in Vorbereitung

Schottelius, Renate

(1921 - 1998)

 

Rosenheimer Str. 12

 

Tänzerin, Choreografin

 

Vater Wolfram Schottelius war Schriftsteller, Mutter Carla Marcus-Schottelius Pianistin.1929 beginnt Renate mit einer mehrjährigen Tanzausbildung an der Städtischen Ballettschule Berlin.1933 Abbruch der Ausbildung, da sie als „Mischling ersten Grades“ gilt. Geht 1936 allein zu einem Onkel nach Argentinien ins Exil. Dort startet sie  eine erfolgreiche Karriere im Bereich „Moderner Tanz“ mit Tourneen durch Lateinamerika, USA, Schweden u. a. Ländern. Später auch als Tanz-Pädagogin tätig.

 

Schumann, "Coco" (Heinz)

(geb. 1924)

 

Kurfürstenstr. 118

 

Jazz-Gitarrist

 

Hört und spielt von Jugend an in verschiedenen Clubs Swing und andere Formen des als „undeutsch“ verbotenen Jazz. „Wer den Swing in sich hat, der kann nicht mehr im Gleichschritt marschieren.“* Nach Denunziation 1943 Deportation nach Theresienstadt, dort spielt er als Mitglied der „Ghetto-Swingers“ Schlagzeug. 1944 Deportation nach Auschwitz, wo er als Musiker einer „Lagerkapelle“ überlebt.1945 Deportation nach Kaufring und Befreiung in Wolfratshausen. Auswanderung nach Australien 1950. Lebt seit 1954 wieder in Berlin. Wird ein populärer Musiker, lange Zeit mit eigener Band, spielt u. a. zusammen mit Helmut Zacharias, Louis Armstrong und Ella Fitzgerald und macht bis ins hohe Alter Musik. „Solange ich Musik mache, habe ich keine Zeit alt zu werden.“*

 

* Zitate von Coco Schumann

 

Schurrer, Steffi, geb. Cohn

(geb. 1921)

 

Landshuter Str. 35

 

12./13. Volksschule (heute Scharmützelsee-Grundschule), St. Franziskus-Oberlyzeum

(heute Katholische Schule St. Franziskus) und Jüdische Schule Große Hamburger Straße

 

Kaufmännische Angestellte

 

Sie beginnt 1936 eine kaufmännische Ausbildung.1939 Emigration nach England. Schwester Ruth gelangt mit einem der letzten Kindertransporte nach Großbritannien, wo beide ihre späteren Ehemänner kennenlernen. Die Eltern werden 1942 nach  Trawniki deportiert. Steffi emigriert später in die USA.

 

Stolpersteine (2012) für Frieda und Werner Cohn, Landshuter Str. 35

 

Seckel, Familie

Apostel-Paulus-Str. 20 u. a.

 

Ernst Seckel (1878−1965) war Bankier und Landwirt. Seiner ersten Ehe, während der er zum christlichen Glauben übertrat, entstammten zwei Söhne. Herbert (1905−1949) emigrierte nach Trinidad, der Jurist Alfred (1909−1979) nach Frankreich. Hier arbeitete er als Buchhalter, wurde mehrfach interniert und überlebte versteckt.

Klaus Seckel (1928−1945) war der Sohn von Ernst und seiner zweiten Ehefrau Erna Seckel (1889−1963). Er wurde getauft, seine Mutter konvertierte 1938. Doch nach den Nürnberger Gesetzen galten sie als Juden. Um Klaus zu schützen, wurde er 1937 auf die Quäkerschule Eerde in die Niederlande geschickt. Nach der Auflösung der Schule trafen Klaus und seine Eltern sich 1944 im Lager Theresienstadt wieder. Klaus wurde im Oktober nach Auschwitz deportiert, er starb Anfang 1945 auf einem der Todesmärsche. Den Eltern gelang im August 1945 die Rückkehr nach Berlin. Klaus’ Tagebuch, das er in der Quäkerschule geschrieben hatte, liegt in Auszügen dem Album der Ausstellung bei.

Ernst Seckels Geburtsstadt Walsrode in Niedersachsen gedenkt der Familie Seckel und anderer jüdischer Familien des Ortes seit 2007 mit einer Wanderausstellung und Führungen.

Sello, Ruth

(1911 - 1999)

 

Münchener Str. 37

 

Buchhalterin, Finanzwesen

 

War außer ihrer Tätigkeit als Buchhalterin auch als Korrespondentin und Sprachlehrerin tätig. Exil 1933 in die Türkei; sie war eine der wenigen, die wegen der rassistischen Verfolgung und nicht aus politischen Gründen in die Türkei ging. 1943 Verbannung ans Schwarze Meer, kurz darauf Auswanderung nach Palästina. 1967 Rückkehr nach Berlin.

Shany, Ruth

in Vorbereitung

Sintenis, Renée

in Vorbereitung

Stern, Hellmut

(geb. 1928)

 

Grunewaldstr. 25, Laubacher Str. 16

 

Musiker

 

Erhielt 1937 als musikbegabtestes Kind der Schule eine Geige und Geigenunterricht, von da an kontinuierliche musikalische Weiterentwicklung.

1938 Emigration in die Mandschurei/China (Asien), 1949 nach Palästina, 1956 in die USA,

1961 Rückkehr nach Berlin, Aufnahme als erster Geiger bei den Berliner Philharmonikern unter Herbert v. Karajan.

 

Seit 1994 pensioniert und als Zeitzeuge aktiv.

Silber, Ya'akov

in Vorbereitung

Silberberg, Werner (heute: Warner Bergh)

(geb. 1923)

 

Babelsberg Str. 1

 

Werner-Siemens-Realgymnasium  (heute: Georg-von-Giesche Oberschule)

Hohenzollern-Gymnasium

 

Spielte in einem jüdischen Fußballverein als Torwart. Konnte mit seinem Vater und seiner Stiefmutter nach Shanghai ins Exil gehen, nach Kriegsende Einwanderung in die USA. Heiratete eine deutsche Emigrantin, mit der er zwei Töchter hat, war beruflich im Handel tätig.

Sommerfeldt, Shmuel (vormals: Sommerfeld, Herbert Samuel)

(geb. 1905)

 

Apostel-Paulus-Str. 28

 

Werner-Siemens-Realgymnasium (heute: Georg-von-Giesche Oberschule)

 

Einziger Überlebender seiner Familie. Emigrierte 1933 gegen den Willen der Eltern mit Alija nach Palästina. Brach die in den 1980er Jahren begonnen Briefkontakte zum Projekt 1991 ab, da sein „Glaube an ein besseres Deutschland“ durch deutsche Giftgaslieferungen im Golfkrieg  zerstört worden war. Durch Besuch in Israel wieder Kontaktaufnahme und 1999 erster und letzter Besuch mit 94 Jahren in Berlin.

Szonyi, Lilly (geb. Wolffers)

(geb. 1924)

 

Kufsteiner Str. 19

 

Psychotherapeutin

 

Die fünfköpfige Familie Wolffers hatte Schweizer Pässe, die Mutter war deutscher Herkunft. Die Familie zog 1927 von St. Gallen nach Berlin, 1936 nach Schöneberg. Sie konnte Verwandten, die sie wirtschaftlich unterstützt hatten, auch längere Zeit Schutz in ihrer sicheren Wohnung bieten. Ausreise nach Zürich vor Kriegsbeginn. Lilly und Ehemann gingen später über Kanada in die USA.

Treuhaft, Gerd

in Vorbereitung

Tucholsky, Kurt

(1890 – 1935)

 

Kaiserallee 79 (heute: Bundesallee)

 

Schriftsteller, Autor

 

Studium der Rechtswissenschaften an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin, in Genf und in Jena. 1915 juristische Promotion, anschließend Teilnahme am Ersten Weltkrieg. Ab 1918 überzeugter Pazifist. Schrieb seit 1907 satirische Gedichte, Chansons, Glossen sowie Theater- und Buchrezensionen in zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften, teilweise unter Pseudonym, wie Theobald Tiger oder Peter Panter. In den 1920er Jahren (zeitweilig) Mitglied der USPD, der „Gruppe Revolutionäre Pazifisten“ sowie der „Deutschen Liga für Menschenrechte“. Ab 1926 Mitarbeiter (teilweise auch Herausgeber) der Wochenschrift „Die Weltbühne“; verschiedene seiner Artikel brachten ihm – und Carl von Ossietzky – juristische Verfahren ein. 1930 verlagerte er seinen Wohnsitz weitgehend nach Hindås in Schweden. Am 21.12.1935 starb Tucholsky in einem Göteborger Krankenhaus.

Walbrook, Anton (vormals: Adolf Wohlbrück)

(1896 - 1967) 

 

Münchener Str. 34

 

Schauspieler

 

In der Weimarer Republik populär unter dem Namen Adolf Wohlbrück, insbesondere in historischen Liebhaberrollen. Nach Denunziationen als Homosexueller kehrt er von einem Engagement in Großbritannien nicht zurück. Dort wird er in Filmrollen als „Deutscher“ und besonders als Prinzgemahl Albert besetzt.

Nach dem Krieg temporäre Rückkehr nach München.

Waldston, Gerry (vormals: Gerd Waldstein)

(geb. 1923)

 

Vorbergstr. 3

 

Geboren als Waldstein (wahrscheinlich von Wallenstein), lebten seine jüdischen Vorfahren nachweislich seit 500 Jahren in Deutschland. Der Vater betrieb eine Fabrik für Autoschonbezüge in Berlin-Mitte. Onkel Erwin konnte 1935 nach Brasilien auswandern, die Familie aber nicht nachholen. 1939 Emigration der Familie nach Großbritannien, von dort kam er 1940 zwangsweise nach Kanada. Seit 1945 kanadischer Staatsbürger, gründete dort eine Firma für Werbegrafik. Leidenschaftlicher Sammler, u. a. von deutschen Zigarettenbildern.

Waters, Henry (vormals: Heinz Wasserzug)

in Vorbereitung

Wilder, Billy

(1906 - 2002)

 

Viktoria-Luise-Platz 11

 

Filmregisseur, Drehbuchautor

 

Aufgewachsen in Krakau und Wien, lebte seit 1926 in Berlin, Arbeit als Publizist und Drehbuchautor. 1934 Emigration in die USA, 1939 amerikanischer Staatsbürger, eine Tochter, ein Sohn. Schrieb bald auf Englisch Drehbücher, Regisseur bekannter Filme, wie „Manche mögen’s heiß“. Betätigte sich auch als Filmproduzent, mehrfacher Oscarpreisträger; Zusammenarbeit u. a. mit Alfred Hitchcock, Ernst Lubitsch, Marilyn Monroe, Jack Lemmon.

 

Gedenktafel (1993) Viktoria-Luise-platz 11

Winters, Steffi (geb. Steinberg)

1924 - 2016

 

Bamberger Str. 28

 

Luise-Zickel-Schule

 

Die dreiköpfige Familie entschloss sich 1938 zur Emigration nach Italien. 1940 wurde der Vater, Arthur Steinberg, aus Turin ausgewiesen. Mutter und Tochter wurden in ein Dorf in den Abbruzzen abgeschoben, 1940 Tod des Vaters. Mutter und Tochter fliehen 1943 nach Bari in ein Flüchtlingslager. 1944 Emigration in die USA, Heirat, zwei Söhne.

Witting, Heinz Peter

(geb. 1928)

 

Rosenheimer Str. 5

 

Jüdische Schule in der Joachimsthaler Str. 13

 

Der Vater Georg (1902- 1966) war  bis 1936 Nationalökonom in Gleiwitz, zurück in Berlin sattelt er um auf chemische Reinigung. Die Mutter Annie Felicitas W. (1904- 1971), gelernte Buchhändlerin, arbeitet als Hutmacherin. Die Familie flüchtet mit dem Sohn Heinz Peter ins Exil nach Shanghai. Erhalten sind zahlreiche Briefe der Mutter an Freunde von 1936 bis 1947 aus Shanghai, später aus Australien.

 

Wolf, Benno

in Vorbereitung

Wolff, Bruno

(1874 - 1941)

 

Motzstr. 14 (heute Nr. 22)

 

Arzt

 

Bruno Wolff war Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe und Stabsarzt im Ersten Weltkrieg. Von 1911 bis 1936 Mitinhaber einer gynäkologischen Klinik. Seine Haupthebamme Nanna Corti gründet 1933 die „Reichsfachschaft deutscher Hebammen“. Ab 1938 darf er nicht mehr allgemein praktizieren. 1939 gelingt die Emigration nach Belgien. Dort stirbt er 1941 eines natürlichen Todes.

 

Wolff, Edith

in Vorbereitung

Zeller, Wera

(1925 - 2008)

 

Barbarossastr. 57

 

Lyrikerin, Bibliothekarin

 

Emigration mit den Eltern zur Großtante nach Chile. Hier Studium der Germanistik und Familiengründung in Santiago de Chile. 1970 Rückkehr nach Berlin, Veröffentlichung eigener Lyrik und Arbeit am Ibero-Amerikanischen Institut als Bibliothekarin. Gründung eines „Literarischen Salons“ in ihrer Wohnung und aktiv als Zeitzeugin. 1975 nach dem Staatsstreich durch Pinochet in Chile kommt ihr Sohn Harald Zeller nun seinerseits ins Exil nach Deutschland.

 

Zickel, Luise

(1878 - 1942)

 

Kufsteiner Str. 6, später Nr. 16 (Schule und Wohnung), Bayerischer Platz 2 (Wohnung)

 

Lehrerin, später Schulleiterin

 

Ab 1911 ist sie Schulleiterin der jüdischen „Zickel“-Schule in der Kufsteiner Straße in Schöneberg. Die Schule mit wechselnden Namensvarianten ist zunächst nur für Mädchen, später auch für Jungen und hat zeitweise zusätzliche Räume in der Schmargendorfer Straße in Friedenau.1937 besuchen über 200 Schüler die Zickel-Schule, 16 Lehrerinnen und Lehrer unterrichten dort gleichzeitig, darunter einige bekannte Künstler und Literaten. 1939 Zwangsschließung der Schule, danach gibt sie Privatunterricht. Luise Zickel lehnt die Emigration aus Deutschland auch wegen ihrer Schüler ab. 1942 wird sie nach Riga deportiert und dort ermordet.

 

Stolperstein (2005):

Kufsteiner Str. 16

 

 

Zuckmayer, Carl

(1896 - 1977)

 

Fritz-Elsas-Str.18 (vormals: Am Park 18)

 

Dramatiker, Theaterautor

 

Studium der Rechtswissenschaften, Promotion. Kriegsfreiwilliger im Ersten Weltkrieg. Autor sehr erfolgreicher Dramen, u. a. „Der fröhliche Weinberg“ (1925) und „Der Hauptmann von Köpenick“ (1931). Aufführungsverbot 1933, zieht sich daraufhin nach Österreich zurück. 1938 Exil über die Schweiz in die USA. Nachkriegserfolg: „Des Teufels General“ (1946). Geht 1957 in die Schweiz und wird 1966 Schweizer Staatsbürger.

 

Großer Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland (1955)

 

Gedenktafel: Fritz-Elsas-Str. 18